Meine Geschichte
Mein
Name ist Mia. Mia Lara. Meine Ankunft hat meine Eltern ganz schön zu schaffen
gemacht. Denn schliesslich haben sie verhütet. Sogar zweifach. Mit Persona und
mit Kondom. Ich vermute mal, das Kondom war nicht ganz dicht, denn Persona gab
rot, für „Achtung fruchtbare Tage“. Aber dennoch habe ich es geschafft. Bis
zur Eizelle. Tja, da wuchs ich, zuerst im Stillen, heran.
Meine
Mutter schmiedete unterdessen fleissig Pläne für ihre Zukunft. Wollte doch
endlich die Ausbildung zur Sozialpädagogin machen. Hat sich auch dafür
angemeldet. Doch kaum waren die Prüfungsgebühren bezahlt, erfuhr sie von
meiner Ankunft. Sie hielt den Schwangerschaftstest in der Hand und weinte.
Meinem Vater wurde zünftig schlecht. Beide haben die Welt nicht mehr
verstanden. Nach kurzem hin und her, nahm meine Mutter das Telefon zur Hand und
rief meiner Oma an. Die wusste vom Test. Als sie den Hörer abnahm und meine
Mutter sich gemeldet hatte: „Wusst ich’s doch! Du bist schwanger“. Kaum
aufgehängt, wurde Tante Andrea benachrichtigt. Sie reagierte praktisch:
„Jetzt ist es halt nun mal so!“ Mein Gotti und mein Opa erfuhren von Oma,
dass ich komme. Sie waren sehr erfreut. Vor allem mein Opa war stolz wie Oskar.
Nachdem Mama den Hörer aus der Hand gelegt hatte, rief Papa seinem besten
Freund Tobias an. Der wurde dann mit dem Amt des Götti’s beauftragt. Auch
Daniel und Barbara, Freunde von Mami und Papi, reagierten fröhlich auf meine
Ankunft. Wie alle anderen auch. Das merkten wohl auch meine Eltern, und nach dem
der Schock abgeklungen war, freuten auch sie sich mit den anderen. So war bald
ein freudiges Lächeln in ihren Gesichtern zusehen, wenn sie von mir erzählten.
Ich
war ja auch etwas ganz neues in ihrem Leben. Das musste gut organisiert und mit
allen abgesprochen werden. Aber auch da legte niemand Steine in den Weg meiner
Eltern. Meine Mutter machte dann noch die Aufnahmeprüfung zur Sozialpädagogin,
aber ich denke, sie nahm das Ganze dann doch zu sehr auf die leichte Schulter
und bestand nicht. Jetzt konnte sie sich ganz auf mich konzentrieren.
Halt,
da war doch noch was. Mama musste doch mal zum Doktor. Sie schob es so weit wie
möglich vor sich her, weil sie eine tierische Angst von diesen Halbgötter in
Weiss hatte. Doch irgendwann war der Weg unvermeidlich. Und so sahen mich meine
Eltern am 14.02.03 zum ersten Mal. Per Ultraschall. Meine Mutter hatte vor
lauter Aufregung und Angst einem Blutdruck von 180/100 (abgerundet:-)). Der
Frauenarzt war ganz schön gestresst. Er musste ihr Blut abzapfen, und sie
machte ein Theater, als verlange er von ihr, über glühende Kohlen zu laufen.
Aber irgendwie bekam er dann das Blut doch und schickte es ins Labor. Alles in
Ordnung. Meine Mami und ich sind vollständig gesund.
Von
da an bekamen alle mit, wie glücklich meine Eltern über mich sind. Denn jedem
vertraute meine Mutter an, wie sehr sie doch beim Frauenarzt gelitten, und wie
gut es ihr doch während der Schwangerschaft gehe. Ob es der Gesprächspartner
wissen wollte oder nicht. Aber so ist meine Mami halt nun mal.
Mit der Zeit, gewöhnte sie sich
sogar an die regelmässige Besuche beim Arzt. Gegen Ende der Schwangerschaft,
hatte sie sogar fast einen normalen Blutdruck:-). Schliesslich ist der erwählte
Frauenarzt ein sehr netter Doktor.
Die
Schwangerschaft verlief sehr gut und ich fühlte mich auch sehr wohl bei Mama.
Das zeigte ich ihr immer wieder, wenn sie schlafen wollte, ich aber lieber
turnte. Aber auch wenn ich sie sanft anstiess, damit ich Streicheleinheiten
bekomme. Meine Mutter hat es auch ganz schön genossen, mich herumzutragen. Ihr
ging es einfach gut. Mein Vater war sehr stolz auf mich. Oft streichelte er mich
vor dem Einschlafen und einmal hat er sogar mein Herz durch die Bauchdecke
meiner Mama gehört. Wenn ich mich bewegte, musste er sofort seine Hand darauf
legen, damit ich mit den Turnen aufhöre. Denn die Hand meines Vaters wirkte auf
mich immer sehr beruhigend. Auch die Melodie der Hasenspieluhr die meine Mutter
ab und zu auf ihren Bauch legte, fand ich wunderschön. Mein Gotti wollte mich
auch spüren, aber dazu ich bin noch etwas scheu. Ab und zu tat ich ihr dann den
Gefallen und stiess ihr mal sanft gegen die Hand. Aber bei den Kindern und
Jugendlichen, die im Heim wohnen, wo meine Mutter arbeitet, blieb ich immer
still. Das war mir dann doch zu viel des Guten.
So
verging Woche um Woche und meine Eltern schafften jede Menge Zeugs für mich an.
Oder bekamen es von Freunden und Verwandten geschenkt, da ihre Kinder da
rausgewachsen waren. Von Magda+Eddie und Familie habe ich fast mein ganzes
Kinderzimmer bekommen. Vom Bettchen bis zur Kleiderausstattung alles. Mein Gotti und meine Grosseltern waren auch äusserst
spendabel. Den tollen Sportkinderwagen bekam ich von Brigitta und ihrer Mutter
gesponsert. Meine Eltern haben ihn nach langem Suchen endlich erwählt. Ein
Quinny – nicht „Ferrari“. Das muss hier schon mal erwähnt sein. Aber ich
trete ihn gerne an meine Geschwister ab.
Es
wurde Sommer. Der war ganz heiss und lang. Meine Eltern gingen viel mit mir
baden. Aber trotzdem litt meine Mutter sehr unter der grossen Hitze. Sie tat mir
schon richtig leid. Sie musste uns beide in der Gegend rumschleppen. Sie bei mörderischen
40 Grad, ich bei wohnlichen 37.
Mein
Name war auch noch eine ewige Diskussion. Wäre ich ein Junge, womit meine
Mutter auch gerechnet hatte, dann wäre mein Name schon lange klar. Eliah-Joël.
Aber als sie dann wussten, dass sie sich auf ein Mädchen freuen durften, war
erst mal Ratlosigkeit angesagt. Jeder half meinen Eltern, einen Namen für mich
zu finden. Meine beiden Paten, meine Grosseltern, meine Tanten und einfach alle
hatten einen schönen Namen für mich. Auf mein Gotti wurde schlussendlich gehört
und so bekam ich den Namen Mia. Lara wählten meine Eltern als Zugabe, weil der
Name ihnen gut gefiel. Alles war also für mich vorbereitet.
Doch
plötzlich ging es mir bei meiner Mutter nicht mehr gut. Mein Herz hörte auf zu
schlagen und ich ging dort hin, woher ich kam. Ins Nichts. Meine Eltern konnten
es zuerst gar nicht glauben, dass sie mich nun doch nicht kennenlernen durften.
Sie weinten viel und nach dem mein Körper geboren wurde, hielten sie mich lange
in den Armen und wir nahmen voneinander Abschied.
Meinen
Eltern wurde gesagt, dass ich an etwas gestorben bin, dass sich plötzlicher
Kindstod im Mutterleib nennt. Niemand kann etwas dafür, es musste einfach so
passieren. Ich lebte einfach bis ans Ende MEINES Lebens. Immer wieder fragten
Mami und Papi mich stumm nach dem „Warum“. Aber ich konnte ihnen keine
Antwort geben. Es gefiel mir auch nicht, meine sonst so lustigen Eltern, leiden
zu sehen. Das wollte ich nicht.
Ich
lebe nun als Lichtwesen, als Engel in den Herzen meiner Eltern und aller die
sich auf mich freuten. Ich bin glücklich, denn ich werde auf der Erde geliebt.
Eine Freundin habe ich auch gefunden. Sie heisst Sofie und ist ein Sternenkind
wie ich. Ihre Mutter heisst auch Tanja und so beschlossen wir, unsere Mütter
miteinander bekannt zu machen. Nun helfen sie sich gegenseitig, wenn sie traurig
sind. Auch unsere Väter versuchen wir zu trösten. Sie sind eine grosse Hilfe für
unsere Mamis.
Meine Eltern haben sich sogar endlich entschlossen, zu heiraten, was ich ganz toll finde. Jetzt erwarte ich nur noch eines von ihnen: Ein Geschwisterchen. Damit sie mich nicht mehr ganz so doll vermissen und ich mein Leben, als Engel der beiden, geniessen kann. Es soll bei ihnen auf der Erde leben und ihre Herzen erfreuen. Mich werden sie schon nicht vergessen. Dafür sorge ich schon!