Mias Beerdigung

Am 29.08.03, wurde Mia beerdigt. Sascha und ich beschlossen, dass sie kremiert wird und ein anonymes Grab bekommen soll. Wir wollten einfach einen Platz für unsere Trauer haben, mehr nicht. Wir trafen uns bald nach Mias Tod mit dem Friedhofswärter und der zeigte uns Mia's letzten Platz auf dieser Erde. Auf dem Friedhof in Baar, bei den Kindergräbern. Er erzählte uns, dass wir ruhig Sachen hinstellen dürften und wir entschlossen uns, dass ein Windrad mit ihrem Namen die Stelle markieren sollte.

Sascha und ich hatten beide Angst vor diesem entgültigen Schritt Mia gehen zu lassen. Einen Abend vor der Beerdigung lernte ich Tanja kennen. Sie war mir per Mail eine grosse Hilfe, da sie selbst eine Betroffene ist. Was aus dieser Begegnung entstand, könnt ihr unter : "eine besondere Freundschaft" lesen! Am Morgen dieses besagten Freitages, schien der Himmel mit uns zu weinen. Das Dauerschönwetter wurde durch diesen einen Regentag durchkreuzt. (Es hatte auch am Geburtstag von Mia geregnet. Die einzigen Tage in einer unglaublich langen Schönwetterperiode!)

 

Was wir den Tag bis zur Beerdigung machten, daran kann ich mich kaum erinnern. Irgendwann wurde es dann 15.30 Uhr und wir machten uns mit dem Windrad auf den Weg Richtung Friedhof. Dort wurden wir von meiner Familie, von Arbeitskolleginnen von mir, von Brigitta, von Corina und Vroni (unserer Hebamme) erwartet. Ich war froh, dass sie uns auf Mias letztem Weg begleiteten. Ich stand zwischen den Leuten und konnte keinen richtigen Gedanken fassen. Der Friedhofswärter kam mit Mias Urne und ihrer Spieluhr, die wir ihr mitgeben wollten, zu uns und fragte, ob wir sie tragen möchten. Ich konnte nur mit dem Kopf schütteln. So gab er die Spieluhr an Nicole weiter, er selber trug die Urne und wir machten uns hinter Pater Benz auf den Weg zu Mias Platz. Pater Benz ist der Direktor in dem Heim in dem ich arbeite. Weil wir ihn kennen und dies wirklich eine sehr initme Angelegenheit ist, haben wir ihn gefragt, ob er die Beerdigung unserer Tochter machen würde. Er sagte sofort zu und besuchte uns am Montag vor der Beerdigung. Pater Benz hörte uns zu und fand sehr gute, tröstende Worte. Wir sind ihm sehr dankbar!

Der Regen tröpfelte auf unsere Schirme als wir am Grab von Mia standen. Pater Benz sagte folgende Worte:

Ich begrüsse sie alle und danke Ihnen, dass Sie da sind, dass Sie trauernd vor dem Geheimnis Leben und Tod stehen, das uns in Mia Lara begegnet, den Eltern sicher am intensivsten und stärksten, aber auch uns allen. Vielleicht sollte ich gar nichts sagen, vielleicht sollten wir einfach stille hier stehen; denn wir kommen uns doch alle ziemlich hilflos vor; und Worte sind auch hilflos und können sogar fehl am Platz sein. Aber immerhin, die Worte, die Sie geschrieben haben, können uns - so meine ich - doch etwas Halt und Richtung geben; Sie haben geschrieben. "Deine Hand, meine Hand, du berührst mich, ich berühre dich. Auch wenn wir getrennt sind, sind wir für immer eins." Und Ihre eigenen Worte: "Vor dem ersten Atemzug unserer Mia, hörte bereits ihr Herz ohne nennbaren Grund auf zu schlagen. Eine zu kurze Zeit verweilte sie bei uns. Sie lebt weiter in unseren Herzen." Soweit ihre Worte.

Sie sind dem Wunder und Geheimnis Leben begegnet - während der Schwangerschaft, während den bangen Stunden, während der traurigen Gewissheit, dass das Herz nicht mehr schlägt, während der Geburt, währenddem Sie die tote Mia in den Händen hielten, während den Stunden danach, die wohl viel mit Traum gemeinsam hatten, während all den Gedanken der Trauer in den folgenden Tagen, während all den Begegnungen mit Menschen, die nicht so recht wussten, wie sich verhalten, wie reagieren.

Sie wissen es: Mia - die Koseform von "Maria" - kommt aus dem Aramäischen und heisst die Beliebte, die Schöne, die Bittere, die von Gott Geliebte. Ist nicht dieser Name Ihr Kind? -

Beliebt: von Ihnen geliebt, angenommen, gewünscht, ersehnt, freudig erwartet? - Die Schöne: ein schönes, zartes Kind, Sie haben sich selber darin erkannt wiedergefunden. - Die Bittere: Das Weggebenmüssen, das Loslassenmüssen ist bitter, hart, schwer. - Die von Gott Geliebte: Sie ist sicher dem Schöpfer des Lebens oder dem Geheimnis des Lebens näher, bei ihm aufgehoben (im Sinne von auf höherer Ebene aber auch im Sinne von geborgen). Es ist ein Sternenkind: leuchtend - aber es brauch Licht dazu! - fern, nicht greifbar, aber sichtbar. Ob wir nicht wieder vermehrt nach oben schauen müssten?

Wir tun beides - auf das schauen, was uns von Mia hier bleibt, aber auch nach oben schauen im Beten von Psalm 103.

Als der Pater geendet hatte, machten wir alle noch ein Kreuz mit Wasser über Mias offenes Grab. In dem Augenblick hörte es auf zu Regnen. Unsere Trauergäste kamen und kondolierten uns, nahmen uns in die Arme, weinten mit uns Tränen. Langsam gingen wir wieder Richtung Auto. Da riss der wolkenverhangene Himmel auf und ein dünner Sonnenstrahl kam zum Vorschein. Es schien uns so, als wollte der Himmel uns Danke sagen, dass wir nun einen Engel freigegeben haben und ich glaube er wollte uns Hoffnung schenken. Ein zaghaftes Lächeln erschien auf meinem Gesicht.

 

Grab im Frühling    Grab im Winter

Grab mit der neuen Lichterkugel

     

Grab mit selber gemachtem Grabstein (seit März 05 auf dem Grab)

 

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