Geburt von Jaël Sabrina
Der Termin für die Einleitung stand also fest. Der 6. September sollte es sein. Die Frauenärzte vom Spital erklärten uns schon vorher, dass eine Einleitung nicht immer funktioniere und es schon Frauen gegeben hätte, die nach drei erfolglosen Versuchen wieder nach Hause geschickt werden. Ich hatte schon fast damit gerechnet, dass ich auch zu denen gehöre.
In der Nacht auf eben diesen Montag konnten Sascha und ich nicht so gut schlafen. Wir waren nervös und deshalb haben wir noch lange geredet. Den Wecker brauchten wir auch nicht, wir erwachten beide weit vor diesem. Um 7.30 Uhr standen wir dann vor der Geburtsabteilung. Eine Hebamme begrüsste uns. Zuerst wurde ein Ctg gemacht, damit wir wissen, ob es dem Kind gut geht. Auch eine kurze Untersuchung fand statt. Dort kam heraus, dass der Muttermund bereits weich war und die Hebamme konnte zwei Finger reinstrecken. Also wurde um 8.30Uhr das erste Zäpfchen in die Scheide gelegt. Ich musste dann eine halbe Stunde liegen, damit es auch am richtigen Ort wirken kann. Danach wurden wir spazieren geschickt. So gegen 10.00Uhr spürte ich die ersten kleinen Wehen. Nichts regelmässiges und nur sehr kurz.
Der nächste Einleitungsschritt konnte erst nach sechs Stunden gemacht werden und so lange hiess es mindestens warten. In der Zwischenzeit wurden noch ein paar Ctg's gemacht und wir assen zu Mittag, gingen noch nach draussen. Bei der nächsten Untersuchung wurde festgestellt, dass der Muttermund noch ein wenig mehr offen war, aber nach hinten geklappt ist. Also schlecht zugänglich. Und wulstig war er auch noch. Es wurde bis um 15.00 Uhr gewartet und dann entschieden, dass es kein Zäpfchen mehr gebe, da ich ja bereits schon Wehen hatte, sondern ein Tropf, der alle 15min höher dosiert wurde, damit die Wehen stärker, länger und muttermundwirksam werden. Das wurden sie dann auch mit der Zeit. Das Ctg wurde dauerhaft auf meinem Bauch platziert, aber da das Baby schon so weit runtergerutscht war, musste der Schallkopf durch meine dickste Fettschicht und war deshalb oft unterbrochen und nicht mehr so brauchbar. Es wurde gesagt, dass sobald die Fruchtblase offen ist, eine Elektrode an Jaëls Kopf festgemacht wird, damit sie die Herztöne von ihr dauerhaft hören. Doch eben diese Fruchtblase liess auf sich warten. Um 16.30Uhr war dann Rapport der Hebammen mit den Ärzten und dort wurde entschieden, diese aufzustechen. Sascha fragte dann die Hebamme noch, wenn sie die Fruchtblase öffnen, werden wir nicht mehr nach Hause geschickt? Die Antwort darauf war, dass es dann kein Zurück mehr gibt. Wir waren damit sehr einverstanden. Mit einem löffelartigen Ding wurde also meine Fruchtblase geöffnet und das Wasser darin war klar, was schon mal ein gutes Zeichen ist.
Die Hebamme erklärte uns, wie die Elektrode an Jaëls Kopf angemacht würde und das sie das schon oft gemacht hätte, obwohl es heute nicht mehr oft benutzt werde. Doch das Gerät war etwas alt und zeigte ganz komische Wellen an. So konnte ich auch nicht mehr aufs Klo gehen, denn das Kabel zum Apparat war sehr kurz.
Nach dem Aufstechen der Fruchtblase wurde der Druck von Jaël nach draussen grösser und die Wehen um einiges intensiver. Auch länger. Noch mal wurde geschaut, aber der Muttermund war immer noch "nur" ca. 5cm offen. So gegen 17.00Uhr kam meine Mutter ins Gebärzimmer. Sie sah mich ein paar mal die Wehen veratmen und hat mich ganz mitleidig angeschaut. Dann wollte sie mir was erzählen, von ihren Geburten, aber im Moment wollte ich nichts solches hören und schickte sie wieder raus. Irgendwann fand ich die Wehen wirklich sehr unangenehm und bat um eine PDA (Narkose für den Unterleib). Die Hebamme schickte nach dem Anästhesisten. Der konnte aber nicht sofort kommen. So wurde alles vorbereitet, sprich Blutdruck-und Pulsmessgerät, angelegt. Die Wehen kamen alle zwei Minuten und dazwischen tat es auch noch weh. Also keine Pause mehr. Ich sagte das der Hebamme, die mir darauf hin einen Wehenhemmer spritzte. Der bewirkte nichts. Der Chefarzt war auch noch kurz im Zimmer und hat mich ganz mitleidig angeschaut, als ich mal wieder eine Wehe veratmet hatte. Die Frauenärztin war auch schon im Zimmer anwesend. Plötzlich hatte ich bei den Wehen das Gefühl auch noch pressen zu müssen und mein Körper tat dies auch einfach.
Meine Beine zitterten vor lauter Schmerz. Endlich kamen die Anästhesisten und ich sollte mich noch für eine Untersuchung auf den Rücken drehen. (Ich weiss nicht zu welchem Zeitpunkt, die Anästhesisten das Gebärzimmer wieder verliessen) Die Hebamme schaute nach und dann sagte sie: "Sie brauchen keine PDA mehr, der Muttermund ist fast offen". Ich antwortete, dass ich nun aufs Klo müsse. Es drücke ganz fest am Darm. Die Hebamme: "Das ist ihr Kind das so drückt, es möchte raus!" Die Ärztin neben sich bat sie um ein Geburtsset. Dann ging es rassig schnell. Ich musste auf jeden Fall pressen und tat dies auch und spürte unser Baby schon mitten im Geburtskanal stecken. Sascha wollte gerade von der einen Seite des Bettes auf die andere und lief am Fussende durch. Die Hebamme sagte zu ihm, er könne bereits das Köpfchen sehen. Wieder erfasste mich ein Zwang zum Pressen. "Das Köpfchen wäre bereits da.", hörte ich die Hebamme sagen. Sascha war bis dahin gerade mal etwa drei Schritte gegangen. Mir wurde gesagt, dass ich jetzt nicht mehr pressen solle, aber das ging nicht.
Es machte einfach mit mir und urplötzlich lag Jaël zwischen meinen Beinen. Sie schrie und bewegte sich sofort. Es ging so schnell, Sascha hatte Tränen in den Augen. Ich schaute verwundert auf meine Tochter runter. Gedanken wie, warum bewegt sie sich, durchschossen mich. Ich konnte es einfach nicht glauben. Die Hebamme, die Ärztin und Sascha schauten mich strahlend an. Sascha durfte die Nabelschnur durchtrennen (obwohl er zuerst ein wenig Angst hatte, aber als ich ihm sagte, dass er diese Gelegenheit nur einmal hätte, wollte er dann doch). Dann wurde Jaël mir auf den Bauch gelegt, sie schrie noch immer, war voller Käseschmiere und Blut. In meinem Kopf herrschte noch immer Chaos. Andauernd war die Erinnerung an Mias Geburt auch noch da. Irgendwann begann ich mich einfach nur zu freuen und nahm Jaël in die Arme. Eine Schürfung an meiner Scheide musste genäht werden, und die Plazenta sollte noch raus. Diese wurde uns von der Hebamme erklärt. Es war mega interessant, aber sah nicht sehr appetitlich aus. Ich schaute oft auf Jaël runter und spürte eine grosse Wärme.
Sascha informierte unterdessen die Familien und Freunde. Meine Familie wollte sofort kommen, aber wir baten sie um etwas Geduld. Jaël wurde noch untersucht, gemessen, gewogen, von ihrem Papa gebadet und dann noch angezogen. Ich sollte auch noch Duschen gehen, was ich mit Freude tat. Fühlte mich schon sehr schmutzig. Als ich zurückkam war meine Familie da. Im gleichen Zimmer wie sie damals von Mia für immer Abschied nahmen, begrüssten sie nun Jaël in unserer Familie
Später wurde ich dann auf die Wöchnerinnenstation verlegt. Dort blieb ich drei Tage um das Stillen zu lernen. Das Personal war supernett und ich habe wahnsinnig viel gelernt. Da ist ja noch meine Abneigung gegen Krankenhäuser, und deshalb verliess ich die Station schon recht bald wieder.